Wenn der Spaß aufhört
Die erste Stunde ist ein Fest. Die zweite fühlt sich an wie Training. In der dritten denkst du, du bist unbesiegbar. Und dann kommt Loop 5.
Egal ob du schnell bist oder langsam: Irgendwann erwischt dich der Moment, den wir bei 13_13 den "Transition Point" nennen. Es ist der Augenblick, in dem die Anfangseuphorie wie eine Seifenblase zerplatzt.
Du hast vielleicht 30 Kilometer in den Beinen. Das ist eine ordentliche Distanz. Dein Körper meldet sich zum ersten Mal mit echtem Protest. Und dann machst du den tödlichen Fehler: Du rechnest.
"Ich bin seit 5 Stunden unterwegs. Ich habe noch 19 vor mir."
Willkommen in der Realität
Loop 5 ist gefährlich. Es ist noch hell. Die dramatische "Heldenreise" durch die Nacht hat noch nicht begonnen. Es ist einfach nur... weit. Die Strecke, die du in Runde 1 noch wunderschön fandest, kennst du jetzt. Der Schotterweg ist kein Abenteuer mehr, sondern einfach nur Steine.
Viele Läufer geben hier auf – nicht körperlich, sondern mental. Sie checken aus. Sie werden langsamer, weil sie den Sinn verlieren.
Aber genau hier liegt das Geheimnis des 24-Stunden-Rituals.
Langeweile als Waffe
Wir sind es gewohnt, ständig unterhalten zu werden. Musik, Podcasts, wechselnde Landschaften. Der Loop nimmt dir das weg. Er zwingt dich zur Wiederholung.
Wenn in Loop 5 die Langeweile kickt, hast du zwei Optionen:
Dagegen ankämpfen: Dich ablenken, ärgern, schneller laufen (tödlich!).
Akzeptieren: Verstehe, dass die Monotonie der eigentliche Trainer ist.
Die Strategie für das "Mittelfeld"
Wie überlebst du Loop 5 bis 10? Indem du aufhörst, an Loop 20 zu denken.
Der Tunnelblick: Dein Horizont ist nicht mehr "Morgen früh um 13 Uhr". Dein Horizont ist das nächste Basecamp.
Micro-Goals: "In dieser Runde trinke ich die Flasche leer." "In der nächsten Runde gehe ich den Anstieg."
Kill the Math: Hör auf zu rechnen. Mathematik ist der Feind des Ultraläufers. Es ist egal, wie viele Stunden noch übrig sind. Es zählt nur der nächste Schritt.
Fazit: Das Ende der Romantik
In Loop 5 stirbt die romantische Vorstellung vom heldenhaften Läufer. Was übrig bleibt, ist die Arbeit. Und genau deshalb sind wir hier. Nicht für das einfache "Runner's High" am Anfang, sondern für die Ruhe, die eintritt, wenn man akzeptiert, dass es noch sehr, sehr lange dauern wird.
Lauf weiter.